Klinische Beobachtungen zu bedrohlichen Wahnvorstellungen

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VERTRAULICHE FALLNOTIZ

Patient: Walton
Behandelnder Psychiater: Dr. Men’Rique Man-Derson
Diagnose: Akute Manie, zwanghafte Wahnvorstellungen, schwere psychische Instabilität

Eine weitere schlaflose Nacht in der Hushwell-Anstalt. Die Lasten eines angesehenen Psychiaters sind wahrlich unermesslich! Selbst in der Abgeschiedenheit meines Arbeitszimmers gefährden einige der mir anvertrauten, verstörten Seelen jeden Moment der Einsamkeit, den ich dort zu finden hoffe. Vor allem mein Patient von nebenan ist ein Rätsel.

Walton. Ein höchst faszinierender Fall geistigen Verfalls. Fast schon nervtötend, wage ich zu sagen.

Teaser c2 framed smallSeit mehreren Nächten führe ich umfangreiche Untersuchungen durch die Wand hindurch durch, die uns trennt. Ihre bedauerliche Dünne hat sich für meine akustische Beobachtung als bemerkenswert vorteilhaft erwiesen, auch wenn meine dringend benötigte Ruhe dabei ziemlich zu kurz gekommen ist.

Der Patient zeigt eine pathologische Fixierung auf Ungeziefer, insbesondere auf Ratten, begleitet von wiederkehrenden Wahnvorstellungen über eine geheime Verschwörung. Seine nächtlichen Monologe drehen sich um eine ganze Zivilisation von Ratten, die sich angeblich darauf vorbereitet, Rache an der Menschheit zu nehmen. Er bezieht sich häufig auf eine Stadt der Ratten, die unter einem Menhir in der thaianischen Kanalisation verborgen ist – Rattica, nehme ich an – und zeigt sich äußerst aufgebracht darüber, dass Tausende ahnungsloser Reisender an ihrem Eingang vorbeigekommen sind, ohne sie zu bemerken.

Was für eine bemerkenswerte Anomalie! Nicht die Stadt, wohlgemerkt. Rattica ist eine durchaus respektable Einrichtung, jedoch kaum ein Thema, das wissenschaftlicher Untersuchung würdig wäre. Zur Veranschaulichung habe ich einige Bilder beigefügt, die ein Pfleger während meines letzten Sommeraufenthalts dort gemalt hat. Zugegebenermaßen kann der Gestank, der aus dem „Underbelly“ aufsteigt, ziemlich überwältigend sein, aber hochwertiger Käse erfordert Opfer. Ich muss zugeben, dass das politische Klima in letzter Zeit deutlich weniger erträglich geworden ist. Die extravaganten Ambitionen des derzeitigen Herrschers geben zunehmend Anlass zur Sorge, selbst unter den angesehensten Mitgliedern der Gesellschaft.

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Doch ich schweife ab. Persönliche Beobachtungen dürfen meine berufliche Objektivität nicht beeinträchtigen.

Waltons Überzeugung, dass Ratten finstere Absichten gegenüber der Menschheit hegen, ist ein Lehrbuchbeispiel für Verfolgungswahn, wie er selbst in der elementarsten „Mensch-Enzyklopädie“ beschrieben wird. Zugegeben, die Beziehungen zwischen Ratten und Menschen waren noch nie besonders „menschenverherrlichend“, was größtenteils auf das unangenehme Wesen der Letzteren zurückzuführen ist. Jahrhunderte der Verfolgung, Ausbeutung und – ganz zu schweigen von der barbarischen Praxis, mörderische Fallen mit einwandfreiem Käse zu ködern – haben gegenseitige Zuneigung kaum gefördert.

Die jüngsten Äußerungen des Patienten verdienen jedoch Beachtung. Er behauptet, einen künstlichen Moschus entwickelt zu haben, der die hochsensiblen Geruchsorgane von Ratten täuschen kann und es Menschen somit ermöglicht, unbemerkt in Rattica einzudringen. Diese Enthüllung erfordert eine gründliche Überprüfung meiner ursprünglichen Diagnose. Zudem hat Walton wiederholt seine Absicht bekundet, die Formel verrückten Abenteurern – oder besser gesagt: menschlichen Abenteurern – preiszugeben. Was zunächst wie eine Verfolgungswahnvorstellung erschien, könnte in Wirklichkeit ein bewusster Versuch sein, feindselige Absichten zu verschleiern.Greedcarrier teaser673small

Die unaufhörlichen Warnungen des Patienten könnten dazu dienen, Komplizen zu rekrutieren, während seine offensichtliche Instabilität eine willkommene Tarnung bietet.Ich wittere hier eine raffinierte Form der Manipulation!

Überarbeitete Diagnose: Verdacht auf konspiratives Verhalten, schwere Obsession, akute Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Kein bekanntes Gegenmittel.

Ich muss Direktor Lemuel unverzüglich über meine Erkenntnisse informieren. Bedauerlicherweise wurden meine wiederholten Bitten um eine fachärztliche Konsultation mit einer fadenscheinigen Ausrede nach der anderen abgetan. Ich bin nach wie vor in meinem Arbeitszimmer eingesperrt und der Möglichkeit beraubt, meine ärztlichen Pflichten zu erfüllen.

Ein solches Verhalten ist eine Schande für den psychiatrischen Berufsstand! Ich werde diese Behandlung nicht länger ertragen. Eine formelle Beschwerde wird unverzüglich verfasst!

Dr. Men’Rique Man-Derson
, angesehener Psychiater, Gelehrter der Man-Atomie

Nachtrag: Mein Antrag auf einen Schlüssel für mein Arbeitszimmer wurde abgelehnt. Schon wieder. Ich habe daher eine vertrauliche Untersuchung der beruflichen Qualifikationen des behandelnden Personals eingeleitet. Ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft ist an sich schon ein äußerst aufschlussreiches Symptom. Eine weitere Beobachtung ist zwingend erforderlich.


Als Nächstes: Was für ein Juwel!

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Autor:CipSoft